Stadtmuseum

Ein historisches Zeugnis der Stadtgeschichte zu bewundern

Übergabe der Exponate
Friederike Lindner freut sich über die neuen Exponate, die das Stadtmuseum von Willi Dürr (rechts) und Karl Wiedmann überreicht bekommen hat.

Vor 22 Jahren fand Willi Dürr auf seinem Grundstück eine alte Keramik-Scherbe, die sich als einer der ältesten Funde Crailsheims herausstellte. Nun wurde das aus dem 7. Jahrhundert stammende Exponat an das Stadtmuseum übergeben.

Es war im strömenden Regen, als Willi Dürr im Jahr 1999 eine Scherbe im Schlamm der Baugrube seines entstehenden Hauses fand, die sich als kleine Sensation herausstellen sollte. Denn laut Geologie-Experte Karl Wiedmann stammte die Scherbe, die ursprünglich Teil eines Knickwandtopfes gewesen sein muss, aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts und damit aus der Merowingerzeit. Nun übergab Dürr seinen Fund gemeinsam mit zwei Repliken an das Stadtmuseum und erinnerte sich: „Mir macht es Spaß Felder und auch Baustellen nach historischen Gegenständen zu durchsuchen. Und die Scherbe, die ich am Südhang des Karlsberges fand, ist mir direkt ins Auge gefallen.“

Sofort nach dem Fund war für ihn klar, dass er herausfinden wollte, was es mit der Scherbe auf sich hat. Hilfe fand er dabei bei Wiedmann, der mit geschultem Blick nicht nur das Alter bestimmte, sondern auch die Herkunft. „Ich gehe davon aus, dass der Topf im Rheinland produziert und nach Crailsheim importiert wurde. Es ist der einzige direkte Nachweis, dass an der Stelle im 7. Jahrhundert Menschen gelebt haben“ Ferner schließt er aus dem Fund, dass die möglicherweise am Trutenbach ansässigen ersten fränkischen Ansiedler die Kuppe des Karlsbergs als befestigte Höhenburg nutzten, wo sie sich im Kriegsfall mit ihrem Vieh zurückziehen konnten.

Scherbe im Original
Die Scherbe sowie die beiden Nachbildungen können jetzt im Museum betrachtet werden.

Um zu verstehen, wie der Topf damals ausgesehen haben könnte, ließen die beiden eine Nachbildung produzieren. Tatsächlich sind es sogar zwei geworden, die jetzt in die Ausstellung des Stadtmuseums wandern. Museumsleiterin Friederike Lindner ist von der 4x5 Zentimeter großen Scherbe begeistert: „Es ist das älteste Exponat, das wir nun im Stadtmuseum besitzen. Und zugleich ist es ein Auszug aus dem dezidierten Alltagsleben der Menschen sowie ein Zeichen der Entwicklung, dass damals bereits Handel betrieben wurde.“

Die Scherbe sowie die beiden Nachbildungen sind ab sofort im Stadtmuseum zu den üblichen Öffnungszeiten zu betrachten. 

(Erstellt am 08. Oktober 2021)