Waldbegang

Das nasse Jahr war Gold wert

Menschengruppe im Wald
Martin Doderer erklärte beim Waldbegang des Gemeinderates, warum Douglasien heute als Nadelhölzer im heimischen Wald gepflanzt werden.

Beim Waldbegang des Gemeinderates wurde deutlich, wie gut sich der Crailsheimer Wald in diesem Jahr nach den Dürreperioden erholen konnte. Damit dieser auch in der Zukunft möglichst gesund bleibt, wird die Pflanzung von Douglasien weiter forciert. Illegale Mountainbike-Trails stehen ebenfalls im Fokus der Förster.

Grün und kühl war es beim Waldbegang vergangene Woche im Spitalwald. Ein Zustand, der nach den trockenen Jahren 2018 bis 2020 nicht mehr selbstverständlich ist. Nachdem aufgrund der Corona-Pandemie der Begang im vergangenen Jahr noch entfallen musste, trafen sich der Gemeinderat, Mitarbeitende der Verwaltung sowie Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und Sozial- & Baubürgermeister Jörg Steuler nun letzte Woche wieder in der grünen Lunge Crailsheims.
Empfangen wurden sie dabei von Revierförster Martin Doderer, der die Nachfolge von Karl Kolb angetreten hat. Kolb war Anfang des Jahres in den Ruhestand gegangen, ließ es sich aber nicht nehmen, ebenfalls mitzulaufen. Forstamtsleiter Sebastian Schüller begleitete den Waldbegang ebenfalls mit seiner Fachexpertise.

Wald konnte sich etwas erholen
Grundsätzlich gehe es den 430 Hektar städtischer Waldfläche in Crailsheim besser, so die einhellige Meinung der Experten. „Das nasse Jahr war wirklich Gold wert. Wir hatten nur rund 20 Prozent des Käferholzaufkommens, wie wir es in der jüngeren Vergangenheit hatten“, so Schüller. Dennoch wäre ein nasser Herbst zu begrüßen, damit auch die tiefen Bodenschicht benässt werden. Allerdings gehe er davon aus, dass das regenreiche Jahr eher ein Ausreißer nach unten bleiben wird. „Der Klimawandel trifft die Land- und Forstwirtschaft am härtesten. Und unsere Wälder leiden extrem. Hitzewellen von 50 Grad in den gemäßigten Breiten wie dieses Jahr in Kanada bedeuten enormen Stress für die Natur“, stellte auch Doderer fest.

Wilder Feldweg im Wald
Die wildangelegten Mountainbike-Strecken durch den Wald sorgen immer wieder für Konflikte zwischen Radfahrern und Spaziergängern, weshalb nach Lösungen gesucht wird.

Klimawandel sorgt für Veränderungen
Der Wald in der Region hat sich zuletzt immer mehr verändert. Lag der Fichtenbestand vor wenigen Jahren noch bei 50 Prozent, so sind es heute nur noch 17 Prozent. Und es wird auch nichts Neues mehr hinzukommen, da mittlerweile die Douglasie als Ersatz gepflanzt wird. „Stürme und Käfer sorgen dafür, dass die Fichte nie geerntet wurde, wenn wir wollten“, führte Doderer aus. Entsprechend seien die Holzpreise, die sonst bei 100 Euro den Festmeter lagen, in 2020 auf 25 Euro gefallen, ehe es in diesem Jahr zu einer wahren Preisexplosion gekommen war. „Die Sägewerke haben das Schnittholz in Container verpackt und in die USA verschifft, weil dort minimal bessere Preise erzielt wurden. Das hat zu absoluten Rekordpreisen bei uns von über 120 Euro geführt“, wusste Schüller zu berichten. Mittlerweile stabilisiere sich der Holzmarkt langsam wieder. Mit der Douglasie habe man nicht nur eine Alternative, die dem Borkenkäfer trotzt, sondern auch eine, die preislich stabil bleibt. Und es gibt einen weiteren Vorteil, wie Schüller betonte: „Die Douglasie kann mit Abstand den meisten Kohlenstoffdioxid aus der Luft absorbieren.“
Um den Wald auf den Klimawandel einzustellen, werden zudem mehr Mischbestände gepflanzt. Sollten einzelne Bäume sterben, stehen immer noch genug andere Sorten um sie herum. Neben der Eiche mit ihrem tiefen Wurzelwerk werden auch neuartige Bäume aus den Vereinigten Staaten oder auch dem Balkan eingesetzt. „Die kennen wir vielleicht noch nicht so gut, sodass uns die Erfahrungen in unseren Breiten fehlen. Aber die Zeit drängt und auch solche Versuche müssen wir wagen“, sagte Doderer.

Revierförster an seinem Denkmal
Karl Kolb wird nach 26 Jahren als Revierförster mit einem Denkmal verabschiedet.

Lösungen für illegale Mountainbike-Trails gesucht
Dringlich ist auch ein weiteres vom Menschen gemachtes Problem. Immer wieder werden illegal angelegte Mountainbike-Trails in den Wäldern gemeldet. „Hier um Crailsheim ist das schon extrem“, fand Schüller. Durch die Verbreitung von eBikes sowie die Corona-Pandemie mit dem Lockdown und Kontaktbeschränkungen habe sich das Problem noch einmal verschärft. Vom städtischen Baubetriebshof aufgestellte Schilder warnen Fußgänger mittlerweile vor kreuzenden Fahrrädern. Doch die Sorge ist groß, dass irgendwann Menschen zu Schaden kommen. Auch deshalb müsse überlegt werden, andere Wege zu gehen. „In Schwäbisch Hall konnten wir Mountainbiker, Forstverwaltung, Waldbesitzer und Stadtverwaltung an einen Tisch bekommen. Dort werden in einem Pilotprojekt nun Strecken offiziell ausgewiesen, die illegalen müssen dafür geschlossen werden“, wusste Schüller zu berichten. Bereits 100 Sportler organisieren sich dort in einem Verein, der die Verantwortung übernimmt. Ein ähnliches Modell sei auch für Crailsheim denkbar, so die Förster, die weiter erklären: „Ziel ist die Kanalisierung der Angebote auf wenige Strecken, die dafür aber erlaubt sind.“

Bisherigen Revierförster verabschiedet
Krönender Abschluss des dreistündigen Waldbegangs war die Verabschiedung von Karl Kolb. 26 Jahre lang war er der Revierförster in und um Crailsheim und damit auch für den Stadtwald. An seine Arbeit erinnert künftig ein großer Steinblock, den Kolb gemeinsam mit seinem Nachfolger enthüllte. „Ich bin froh, auf diesen großen Erfahrungsschatz auch weiterhin zurückgreifen zu können. Wir stehen immer noch fast wöchentlich in Kontakt, denn niemand kennt den Wald hier besser als Karl“, dankte ihm Martin Doderer für die geleistete Arbeit.

(Erstellt am 05. Oktober 2021)